Rezension: Hex Hall - Wilder Zauber

"Warmer Sabber tropfte von ihrem offenen Maul auf meine nackte Schulter. Ich zwang mich, ganz ruhig zu bleiben, und einen Moment später ließ sie mich wieder los. Dann zuckte sie verschämt die Achseln und sagte: „Tut mir leid, ist so eine Werwolf-Gewohnheit.“
„Hey, kein Problem", erwiderte ich, obwohl ich nichts anderes denken konnte, als: Sabber! Werwolfsabber! Auf meiner Haut!"(S.99)




Verlag: Lyx
Preis: 9,95 € (broschiert)
Seiten: 295
 Autor: Rachel Hawkins
 Genre: Urban-Fantasy
 Reihe: 1. Band von 3





Worum gehts?

Die katastrophalen Folgen eines Liebeszaubers katapultieren die Hexe Sophie Mercer in die Besserungsanstalt ins Internat Hecate Hall (kurz: Hex Hall) für Hexen, Gestaltwandler, Feen und neuerdings als Versuchsmodell für Vampire.
Aber Sophie hat Glück: sie teilt mit der einzigen Vampirin ihr Zimmer, ein dunkler Hexenzirkel nötigt sie ein Quartett mit ihr zu bilden und ihr Schwarm ist vergeben.
Als mehrere Hexen angegriffen werden, die danach recht blutleer sind, steht Sophie zu ihrer Zimmergenossin, denn sie weiß um die anderen Feinde der magischen Wesen.

Meine Meinung:

Wie bin ich auf das Buch gekommen?
Ich bin auf etlichen Blogs auf dieses Buch gestoßen, und wollte es unbedingt haben. Irgendwann hatte ich es auf rebuy gekauft, aber als ich es dann auspackte, mit einem völlig zerknickten Buchrücken, war meine Motivation es zu lesen, bei Null. 


Erwartungen an das Buch?
Nach Monaten, in denen es einstaubte, habe ich es zur Hand genommen. Die guten Argumente für dieses Buch waren irgendwie in meinem Kopf nicht mehr existent und ich hatte keine Ahnung mehr, auf was ich mich eigentlich einlasse und demzufolge hatte ich auch keine Erwartungen.

Erwartungen erfüllt?
Hex Hall war für mich eine positive Überraschung.

Die Protagonistin Sophie Mercer ist herrlich erfrischend durch ihre konsequent witzige bis sarkastische Erzählstimme. So als Person nicht wirklich besonders, deshalb habe  ich auch nach dem Lesen ihren Namen vergessen, versprühte sie dennoch viel Charme und so konnte ich mich sehr gut in ihre Perspektive einfinden. 
Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass sie in ernsten Szenen krankhaft witzig sein musste, sondern eher wurde mir natürlicher Humor vermittelt, was für mich ein riesengroßer Pluspunkt ist.
Auch die Nebenfiguren punkteten nicht mit unglaublicher Tiefe, sondern mit viel Sympathie und Humor.

Hex Hall kann dabei nicht wirklich altbekannte Fantasygeschöpfe zu neuem Glanz verhelfen, aber besitzt viele gute Ideen, die mich besonders im ersten Viertel, begeisterten. Wie andere Internatstorys ist auch Hex Hall durch merkwürdige Lehrer und mehr oder weniger nette Mitschüler sehr unterhaltsam. Auch der Unterricht und die Magieexperimente sind gelungen.

Ungereimtheiten, wie z.B. die fehlende Bereitschaft von Sophies Mutter mal die Tatsachen auf den Tisch zu legen, obwohl alle Geheimnisse durch den Internatsbesuch ja eh an ihre Tochter herangetragen werden, sind mir zwar aufgefallen, störten mich aber nicht besonders.

Die Geschichte bedient einige Klischees, die man aber witzig darstellt und teilweise durch Lüften von Geheimnissen wieder auflöst. Die Liebesgeschichte bietet auch keine neuen Akzente, war trotz Kitsch aber in Ordnung.

Der Plot ist spannend und interessant, leider gab es keinen ohrenbetäubenden Knall, der erhoffte grandiose Höhepunkt fiel flacher aus, als vermutet und so blieb Hex Hall banaler, als es hätte sein können. Besonders da der Hintergrund, dass die magischen Wesen von mehreren organisierten Verbrechergemeinschaften schon jahrhundertelang ermordet werden, nicht ohne ist.

Dennoch war ich von der Geschichte gefesselt, verspürte eine regelrechte Sogwirkung und habe von dem Buch gute Laune bekommen, viel gelacht und geschmunzelt. Es passiert mir nicht oft, dass ich in Geschichten so sehr eintauche, dass ich förmlich die Welt um mich vergesse, aber mit Hex Hall habe ich Stationen in Zügen verpasst, die nur alle halbe Stunde fahren.

Insgesamt ist das Buch, wenn man nur von Plot, Setting und Protagonisten ausgeht, durchschnittlich. Für jedes einzelne Charakteristika gibt es von mir eine Herzebene. Zusatzregalbretter vergebe ich aber für die außerordentliche Sogwirkung und den Humor.

Für jemanden, der kurzweilige Unterhaltung sucht, z.B. um eine Leseflaute zu beenden, spreche ich hiermit  eine klare Empfehlung aus. Für alle anderen könnte es aber zu seicht und damit nur mittelmäßig sein.




Empfehlenswert




Beitrag von Egoliquida

Kommentare:

  1. Sophies Sarkasmus ist genial! ♥...*grins*
    Schöne Rezi!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Zitat: "Um ehrlich zu sein, ich war ein wenig neidisch. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, jemals mit jemanden so befreundet zu sein, um ihn oder ihr auf einem Foto lässig den Arm um die Schultern zu legen. Auf all meinen Schulfotos war ich immer diejenige, die allein in der hinteren Reihe stand, die Haare vorm Gesicht." S.(49) ^.^

      Löschen