Kurzrezension: Weiblich, jung, flexibel

"Wie viele Stunden hast du denn gearbeitet?"
"Soundsoviele Hunderttausendmillionen."
"Whaaaaaauuuuu! Voll krass!"
Nie würde jemand darauf antworten: "Da haste aber lang gebraucht."
Immer nur: "Respekt!"
Vielleicht ist in den hunderttausendmillionen Stunden nur Scheiße erarbeitet worden. 
Aber das wird nicht gefragt.
(S. 52)





Verlag: Herder
Preis: 14,99 (Softcoverausgabe)
Seiten: 163
Autor: Felicitas Pommerening
Genre:  Generationsbericht
 Reihe:/



Worum geht´s?

Das Buch „Weiblich, jung, flexibel – Von den wichtigen Momenten im Leben und wie man sie am besten verpasst“ gehört nicht in die Chick-Lit-Kategorie. Es ist nicht mal ein Roman. Ich würde es als kurzen Generationsbericht beschreiben, der sich auf die Zeit als Berufsanfängerin nach einem erfolgreich absolvierten Studium bezieht.
Die Protagonisten Ellen und Carlynn kommen nach ihrem Studium ins Grübeln. Was wollen sie eigentlich? Vollzeit oder Teilzeit? Lieber Anerkennung, als Freude an der Arbeit? Was ist besser für später, wenn dann Kinder auf dem Plan stehen?
Ihr Zweifeln wird von merkwürdigen Bewerbungsgesprächen und Selbstfindungsreisen, die recht kurz ausfallen, unterbrochen.

Meine Meinung:

Wie bin ich auf das Buch gekommen?
Die Autorin hat uns gefragt, ob wir nicht ihr Buch vorstellen könnten, und da ich gerade voll in der Bewerbungsphase als mickrige Berufsanfängerin stecke, dachte ich, das wäre genau was für mich.

Erwartungen an das Buch?
Ich hatte die Befürchtung, dass das Buch schnell mal ins Oberflächliche abdriften könnte und es möglicherweise mir doch an manchen Stellen zu platt sein könnte, wie z.B. durch hier Mal ein Alkoholbesäufnis, dort ein One-Night-Stand etc. Das wäre nämlich so überhaupt nicht mein Ding gewesen, da das meine Lebenswelt nicht widerspiegelt und ich dafür auch wenig Empathie aufbringen kann.

Erwartungen erfüllt?
Dieses Buch ist kurz und gut. Die Protagonisten Carlynn und Ellen sind von der ersten Seite an normal und lebensecht und dadurch mir so herrlich sympathisch gewesen, dass die Seiten nur so flogen.

Einzig störte mich dabei, dass die Erzählstimme von den zwei Perspektiven sehr ähnelten. Zwar machen sie unterschiedliche Dinge, aber die Art, wie sie darüber nachdenken und reden ist fast identisch.

Die befürchtete Oberflächlichkeit blieb aber aus und die angesprochenen Tatsachen aus der Arbeitswelt und Bewerbungszeit machten mich sehr nachdenklich. Zwar ist der Schreibstil sehr locker, dennoch tut das der Tiefgründigkeit und Wichtigkeit der angesprochenen Probleme und Themen keinen Abbruch.

Mir hat an den beiden Kölnerinnen gefallen, dass sie keine Workaholics sind, sondern ihr persönliches Glück und ihre Gesundheit über den beruflichen Erfolg stellen.

Carlynn hat gleich zu Anfang ein deprimierendes Bewerbungsgespräch bei einem Fernsehsender, bei welchem sie nicht nur als "ungeschliffener Stein" und "gerade gewachsene Pflanze" tituliert wird, sondern auch noch nett über Urlaubsziele bis hin zum Büchergeschmack ausgefragt wird.

Schon diese kleine Szene hat mir sehr gefallen, da ich mich in die niedergeschlagene Carlynn hineinfühlen konnte. Bei meinem letzten "Bewerbungsgespräch" wurde ich mit den Worten: "Hast du dich schon woanders beworben?" begrüßt und die angeforderte Bewerbungsmappe wollte die Leiterin keines Blickes würdigen. Man kann sich meine Enttäuschung denken, schließlich habe ich dort sechs Monate lang gearbeitet und eigentlich mochte mich jeder. Ich finde es wirklich schade, dass sie mir nicht sagen konnte, was dann nun wirklich los ist.

Carlynn geht nach dieser Flaute erstmal auf Selbstfindungsreise, während ihre Freundin Ellen scheinbar mehr Erfolg hat. Doch Ellen ist in ihrem neuen Job unglücklich. Gerne würde sie in Teilzeit arbeiten. Aber Teilzeit ist verpönt und beschränkt sich auf unkreative Arbeiten.

Das ist übrigens nicht nur heutzutage so, sondern meine Oma meinte, dass es zu ihrer Zeit (DDR) es ebenfalls so gewesen sei. Meine persönliche Meinung zu diesem Thema ist wie im Buch "Utopia" vom Jahre 1516: Wenn jeder sechs Stunden arbeitet, reicht es für alle. Mein Freund, der in Teilzeit arbeitet, wird auch nur für den Bürokram eingesetzt, statt für die Laborarbeit, für die er ja gut ausgebildet ist. Dazu muss er sich ständig im Familienkreis anhören, wann er denn endlich etwas Richtiges machen würde.

Wie man merkt, das Buch hat mich sehr beschäftigt. Weitere Themen, die angeschnitten werden, sind z.B..:
Wer arbeitet schon gerne?
Riskante Gespräche mit dem Chef.
Wie viel Geld braucht man wirklich?
Chronische Angst vor Arbeitslosigkeit als anerkannte Neurose.

Fazit 
Die Dialoge in diesem lohnenden Buch regen durch ihre Authentizität zum Nachdenken an. Das ist die Essenz des Buches, denn ein Patentrezept, wird (logischerweise) nicht geliefert. Das Nachwort der Autorin ist zudem sehr zu empfehlen.
Ich persönlich habe mich in dem Buch wiedergefunden und würde es uneingeschränkt weiterempfehlen.





 Lesenswert? Ja!


Beitrag von Egoliquida

Kommentare:

  1. Oh ja, die Situation kenne ich auch nur zu gut. Manchmal fragt man sich, wozu man sich überhaupt durchs Studium gequält hat. Das Buch werde ich mir mal merken. :-)

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    1. Ich lasse die Idee des Studierens auch erstmal ruhen. Zum Glück habe ich Abi und Ausbildung gleichzeitig gemacht.

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  2. Ich stecke gerade in der gleichen Situation. Es ist ein ständiges Aus unf Ab. Die Sache mit der Teilzeit kenne ich allerdings auch. Ich bekomme dafür nur Anerkennung, weil ich neben Studium in Teilzeit gearbeitet habe. Und bei meinem Freund wird dies auch nur anerkennend bemerkt, weil er in seiner Freizeit dann freiberuflich arbeitet.
    Ich werde mir das Buch auf jeden Fall mal ansehen! Es tut doch immer gut, andere Stimmen zur eigenen Situation zu hören.

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    1. Ich glaube, dass Buch wird dir gut gefallen, auf der Teilzeitaspekt ist ein Schwerpunkt des Buches. Schon irgendwie traurig, dass man wegen ein paar Stunden weniger schief angesehen wird.

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  3. Das ist eich echt schönes Design. Die Bewertung finde ich echt niedlich und kreativ. :) lg Belle

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  4. zu dienem kommi:
    für mich ist das design a und o. ich versuch auch was zum inhalt zu schreiben, aber da ich gerade erst anfange... und oftmals bekommt man (so geht es mir zumindestens) nie kritik oder verbesserungsvorschläge. Das versuch ich halt alles zu machen... aber wie gesagt, ich fang erst an.

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  6. Deine Rezension bringt es auf den Punkt - toll! :-)

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  7. Hört sich sehr gut an, vor allem der Ausschnitt oben. Das sollte ich mir mal etwas näher anschauen. :)

    LG Jessica

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