Rezension: Faunblut

"Es geht nicht nur um die Echos. Sie denken, dass auch Menschen dahinterstecken."
"Attentäter?" Lilinn wurde blass. 
Jade schluckte. Es hatte in der Vergangenheit den einen oder anderen Aufstand gegeben, davon zeugten nicht zuletzt die Galgen am Richtplatz. (S.152)




Verlag: cbt
Preis: 12,99 € (Taschenbuch)
Seiten: 479
 Autor: Nina Blazon
 Genre: Fantasy
 Einzelband





Worum gehts?
Echos, aus deren Wunden Wasser, statt Blut strömt, kommen in die Stadt, die der vollkommenen Willkür ihrer Herrscherin ausgeliefert ist. Jade will rebellieren, aber der geheimnisvolle Faun, besetzt im Auftrag der Machthaberin das Hotel ihres Vaters mit Kisten, in denen geheimnisvolle Wesen ihr Unwesen treiben.

Meine Meinung:

Wie bin ich auf das Buch gekommen?
Ich habe es gewonnen! :D Nicy (Ohwhysosad) hat für ihre Abonnenten ein Gewinnspiel veranstaltet und ich hatte Glück. Sie ist meine Lieblingsyoutuberin und eine der wenigen, bei denen ich mich noch bei jedem neuen Video freue, denn jetzt wo ich in die Bloggerwelt eingetaucht bin, schätze ich ich die deutsche Buchyoutuberwelt immer weniger (aber das ist ein eigenes Thema). 


Erwartungen an das Buch?
Auf dem Rückentext stand u.a. "Jade und Faun - die Geschichte einer unmöglichen Liebe in einer Stadt am Rande der Zeit". Deshalb erwartete ich süßlichen Kitsch. Ein Mädchen verliebt sich in ein Fantasywesen, das ist unerlaubt etc.pp.


Erwartungen erfüllt?
Wer verfasst eigentlich solche Rückentexte? Dieser jedenfalls gibt den wahren Kern nur sehr schwammig wider. Mit einer  Stadt am Rande der Zeit ist eine einzigartig beschriebene Stadt, die von einer Diktatorin geführt wird, gleichzeitig Fantasywesen beinhaltet und einige politische Strukturen offenlegt, gemeint. Dazu gibt es nur manchmal Strom und ich hatte ein sehr angenehmes Mittelalterfeeling, obwohl es auch Fahrstühle gab.

Die Schauplätze sind wunderbar mit  klaren und wenigen Worten beschrieben und vor meinem geistigen Auge sehe ich z.B. das Hotel, mit seinen vielen Räumen, die zwar früher mal sehr edel waren und jetzt kaum ganze Fensterscheiben besitzen, welches Jades Vater mit einer Köchin betreibt, vor Augen. Besser kann man es wirklich nicht machen und deshalb vergebe ich für das wunderschöne und originelle Setting zwei Regalebenen.

So, genug mit der Lobhudelei, jetzt beginnt die Kritik.^^
Der Titel ist ziemlich irreführend, denn es geht um das Blut von Echos und das besteht ja aus Wasser. Echowasser klingt natürlich nicht so toll, wie Faunblut. ;)

Der Plot ist sehr aktionsreich, für meinen Geschmack sind viel zu viele Geschehnisse/wichtige Gespräche aneinander gereiht, ohne dass mal Ruhe einkehrt und der Protagonistin Zeit eingeräumt wird, ihre Entscheidungen zu rekapitulieren und den armen Leser zu begründen. Auch gute Ideen, besonders den Fantasyaspekt betreffend, werden kaum ausgeführt, obwohl sehr viel Potenzial dagewesen wäre.

Dazu die Hintergrundgeschichte. Es hat mich tierisch genervt, dass sehr viele Anstrengungen unternommen werden, um die Diktatorin zu stürzen, nur um unter Umständen einen anderen Herrscher ans Land zu ziehen, den keiner kennt. Aber man hat ja Hoffnungen, und so... -.-
Schon mal was von Demokratie gehört? Hmpf.
Dafür ein Regalbrett.

Protagonistin Jade blieb mir über den gesamten Verlauf des Buches merkwürdig fremd. Das mag zum Teil an der 3.Person-Perspektive liegen (Jade macht dies. Jade macht das.), oder auch an den Handlungsweisen, die ich beim besten Willen nicht verstand. Jade verschweigt nämlich vieles und einiges wäre durch Gespräche weniger schmerzhaft gewesen. Die Liebesbeziehung war zwar für Jugendbuchverhältnisse nicht übermäßig kitschig, aber ein reinster Witz mal wieder.
Nur weil Faun gut aussieht und Unnahbarkeit ausstrahlt, begeistert mich das nicht unbedingt. Warum werden Worte eigentlich so unterschätzt?
Nach dem ersten Unwillen überhaupt miteinander zu sprechen, fallen sie sich dann nach der Hälfte des Buches plötzlich in die Arme. -.-

Der Junge verschweigt natürlich auch eine ganze Kiste voller Geheimnisse, die man natürlich erst am Ende öffnet. Für mich ist das nur nervige künstliche Spannung. -.-
Manche interessante Nebenfiguren haben es für mich aber wieder herausgerissen, aber die Diktatorin war  so nichtssagend, wie ihre Maske, die sie immer trägt, dass ich leider keinen Punkt für die Protagonisten vergeben kann.

Fazit

Klar, technisch gesehen brilliert Blazons Werk mit einer dichten Atmosphäre, einem wunderschönen Schreibstil und einem rasanten Plot, bei den man keine Längen spürt, trotz der Seitenzahl.
Aber das hilft alles nichts, wenn man sich in die Protagonistin nicht hineinversetzen kann, sie sogar unsympathisch empfindet, bzw. ihre Handlungen so gar nicht nachvollziehen kann und auch der Plot einen nicht vom Hocker reißt.
Insgesamt gehen die Protagonisten leer aus, für den Plot gibt es eine Regalebene und für das Setting sehr gute zwei Regalbretter.



Na ja, Geschmackssache




Beitrag von Egoliquida

Kommentare:

  1. Hey, ich habe dir einen Blog-Award verliehen (:
    Schau mal nach:

    http://meinbuchchaos.blogspot.de/2012/07/liebster-blog-award.html

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  2. Wow, toller Blog! Ich mag klar strukturierte Blogs mit vielen Rezensionen, bin gleich mal Leser geworden.
    Gefunden habe ich euch übrigens zufällig, als ich auf der Suche nach Blogger-Reaktionen zu "Emily Anderson" war. Das war übrigens die einzige kritische Stimme, die ich gefunden habe, sonst scheinen alle entweder völlig unkritisch das Projekt zu loben oder haben nicht reagiert...

    Schönes Wochenende, Julia

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    1. Ja, ich bin auch sehr erstaunt über die vielen positiven Reaktionen.

      Danke für dein Lob und ich wünsche dir ebenfalls ein schönes Wochenende

      Egoliquida

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